Verzeihen oder vergeben oder gar nichts das ist eine Frage, die immer wieder aufkommt in Coaching Prozessen vor allem bei Menschen mit Traum oder Trauma Erfahrung. Eine Frage, die schwierig zu beantworten ist. Es gibt Leute, die sagen natürlich muss man auf jeden Fall jedem oder jeder Person vergeben und verzeihen können, aber ist das wirklich so? Ich kann nur sagen, dass ich meinem Coach sehr sehr dankbar bin, dass er beziehungsweise sie eine andere Meinung vertreten hat, weil es die Dinge im Leben gibt, die unverzeihbar sind vielleicht oder zumindest sehr schwer vergebbar sind. In der Situation, wo ein Mensch auch das Recht verwirkt hat Teil von einem Familiensystem zu sein, ist es falsch, wenn ich einer Person oder einem Menschen nicht vergeben oder verzeihen kann Druck auszuüben.
Natürlich könnte man jetzt sagen, das ist nicht christlich. Ich bin selber überzeugte evangelische Christin und gehe gerne in die Kirche und noch lieber ins Taizé Gebet – trotzdem glaube ich, dass es die Situationen gibt, wo es in Ordnung ist, nicht verzeihen zu können. Es gibt sie, weil die Momente, der unglaublichen Gewalt, die ein traumatisierter Mensch erlebt hat, nicht vergleichbar sind. Was mache ich nun damit, dem Vergeben /Verzeihehen und den Leuten, die es (noch) nicht können? Erstmal finde ich es okay, dass es diese Menschen eben gibt, und sie haben aus meiner Sicht, dass Recht nicht vergeben/verzeihen zu wollen.
Doch was, wenn ich aber trotzdem einen Wunsch habe zu vergeben oder zu verzeihen und dazu nur noch nicht bereit bin? Aus meiner Sicht habe ich dann das Recht und das ist etwas, was mir sehr guttut, meinen Wunsch, der da ist, diese Last nicht mehr tragen zu müssen an eine höhere Macht abzugeben. In meinem Fall ist das Jesus oder Gott und ich kann versichern, dass allein mir die Erlaubnis zu geben meine Last und meinen Wunsch, um Vergebung oder Verzeihung abzugeben schon unglaubliche Erleichterung liefern kann das da sehr viel passiert.
Wie nun, wenn es so weit ist, dass ich aktiv jemanden vergebe oder verzeihe oder für eine meiner Handlungen um Vergebung bitte. Muss ich immer eine Antwort auf meinen Wunsch nach Vergebung und nach Verzeihung bekommen. Das ist ja vielleicht auch nochmal ein Punkt, der einem bei diesem Thema so durch den Kopf schießt. Dazu sage ich ganz ehrlich: nur weil ich mir wünsche, dass mir vergeben oder verziehen wird kann ich noch nicht zwingend erwarten, dass mein Gegenüber für diesen meinen Wunsch offen ist, dass er bereit ist mir zu vergeben, was immer ich getan habe. Vielleicht ist das auch nochmal ein sehr wichtiger Aspekt, der auch dir klar sein darf. Es ist vermutlich sogar ein sehr schwerer Gedanken zu überlegen ich wünsche ich mir so sehr, dass mir jemand vergibt, dass mir jemand verzeiht – aber dieser jemand möchte das nicht. Spür hier einmal in dich rein: Kann es dir gegebenenfalls reichen deinen Wunsch nach Verzeihen auszusprechen, vielleicht schriftlich, und dieser Person zukommen zu lassen und der anderen Seite das Recht auf ein Annehmen oder Ablehnen freizustellen. Aus meiner Perspektive ist das ein guter Weg vorausgesetzt, ich bin bereit dafür, dass als keine Reaktion geben braucht. Das es einfach nur für mich ist, dass ich es gesagt habe und mir schon Entspannung und Erlösung bringen kann, sehr viel bewirken für mein Besserfühlen. Das heißt ich benötige Offenheit dafür, dass mein Wunsch noch keine Antwort findet. Das ist glaube ich, in diesem Bereich extrem wichtig kann sehr viel verändern und vor allem Druck rausnehmen.
Ich möchte noch einen Gedanken oder einen Bereich ansprechen, der vielleicht besonders herausfordernd ist. Nämlich sich selbst zu verzeihen oder zu vergeben, welches Wort auch immer für dich das passende ist. Das ist aus meiner Perspektive die größte Kunst, denn es wird immer wieder in unserem Leben Situationen geben, die uns quälen, wo wir uns denken, warum habe ich mir das angetan. Ich spreche da aus eigener Erfahrung und ich denke, das ist die größte Kunst sich selbst eben da auch irgendwann wieder ins Gesicht sehen zu können. Wie oft hat ein jüngeres Ich von uns vielleicht etwas getan oder eine Entscheidung getroffen, die wir später im Leben bereuen… Das ist so aber auf Dauer ist ein Weitergehen mit den damit verbundenen Schmerzen unter Belastung sehr schwierig und frisst Lebensenergie. Ich erlaub mir an der Stelle dir ein persönliches Beispiel zu geben: ich habe vor vielen Jahren keinen Partner finden können, ich habe mir aber immer eine Familie und Kinder gewünscht und wie das so ist, wenn man etwas nicht bekommt, sucht man nach Alternativen. Das war eine Zeit, da war ich sehr offen für alles, hatte gerade mit Coaching angefangen auch Gesundheitspsychologie zu studieren, das passte so richtig schön rein. Ja und dann lief mir eine junge Frau über den Weg, die sich in mich verliebt hatte. Von meiner Erziehung her war das eigentlich undenkbar, aber ich war eben sehr offen und sie hat viele innere Kindanteile von mir bedient, war bereit mir Kind ein Kind zu kriegen sogar 2 eigentlich. Und ja so sind wir zu einem Paar geworden haben eine Lebenspartnerschaft begründet und ein Kind gekriegt zusammen mit mir als der leiblichen Mama. Das Kind ist bis heute das größte Geschenk aus der Beziehung und der Rest ist die Hölle, weil es heute leider so ist, dass die andere Seite das Kind hat und ich allein bin ohne die Familie, die ich mir gewünscht habe. Was zwischen uns vorgefallen, das werde ich wahrscheinlich nie rausfinden, aber ich musste sehr hart an mir arbeiten, um mir diese Beziehung zu vergeben und vor allem mir auch zu vergeben, dass ich der Stiefkindadoption zugestimmt habe, so dass ich mein Kind geteilt habe. Das hätte ich nicht tun müssen da hat mir wirklich nur sehr viel auch ein mich schämen, ein bewusstes in die Vergangenheit schauen und mir die damals guten und richtigen Gründe für meine Entscheidung bewusst machen geholfen. Trotzdem hat das jetzt gute 8 Jahre gebraucht bis ich mir dafür in einem extra Coaching zum Thema Vergebung selbst Entlastung schenken konnte und meine damals 34-Jährige wieder in die Arme nehmen konnte, auch meiner 35-Jährigen und 36-Jährigen verzeihen. Das sind aber wichtige Punkte und ich möchte dich einladen, wenn du selbst solche Situationen hast mit jüngeren Ichs, wo du mit dir selbst haderst oder dich anteilig sogar hasst für Situationen in deinem Leben: nimm dir den Moment schau hin guck mal zurück rede mit ihnen. Was waren damals die Gründe? Und schau auch auf das, was es vielleicht gab an Schönem. Das ist mir auch sehr schwergefallen, war aber in diesem mit mir ins Reine kommen wichtig mir bewusst zu machen, dass es trotz allem Leid was da jetzt ist, tolle tolle Momente gab, die ich auch mit meiner damaligen Partnerin zusammen hatte, auch als ich für Mama war mit unserem Sohn zusammen. Und trotz allem, was jetzt ich möchte ich diese Momente auch nicht missen müssen. Das waren Geschenke, tolle Geschenke, die kann ich aber erst als solche sehen, seitdem ich meinen Jüngeren ichs vergeben habe, und das war es wert.
Ich habe noch einen Gedanken, der mir in dem Zusammenhang auch ganz wichtig ist. Es gibt diesen schönen Spruch vergeben und vergessen – aus meiner Sicht ist das ein blöder Spruch. Das du vergeben oder verzeihen willst, jemand der dir weh getan hat, der dich verletzt hat, der dich vielleicht traumatisiert hat mit seinen Handlungen bedeutet nicht, das da wegen diese Sache vergessen ist. Das möchte ich ganz klar unterstreichen, weil das vielleicht der Grund wäre, überhaupt nicht ins Verzeihen oder ins Vergeben zu gehen. Es geht nicht darum etwas zu vergessen aber durch Vergeben und Verzeihen können wir Lasten uns selber leichter machen und dazu möchte ich einladen. Gerne begleitet, weil es dabei zu heftigen Emotionen kommen kann, aber auch allein. Mir persönlich hat dabei mehrfach auch die Scham Würde Übung, die du ja auf meiner Webseite als Geschenk auch finden kannst geholfen, weil tatsächlich ich für mich festgestellt habe und auch in der ersten Arbeit mit Klient*innen das Scham auch ganz oft mit nicht vergeben oder verzeihen können und mit Schuld sehr eng verknüpft ist. Geling es uns diese falschen Schuldgefühle, dass sich schämen für das, was man damals erlebt hat oder getan hat, loszulassen, dann gibt das uns unsere Würde zurück. Das heißt, du kannst vielleicht diese Übung als Weg nutzen um für dich einen ersten Schritt, einen ganz kleinen, hin zur Vergebung und Verzeihung zu machen. Ich bin gespannt; was dieser Text mit dir macht und wenn du Bock hast und möchtest, lade ich dich einfach ein mir von deinem ersten Schritt zum Vergeben und Verzeihen zu schreiben

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