Gesundheitspause im August oder gute Selbstfürsorge bei Erkrankung

23. September 2025 | 0 Kommentare

Vielleicht hast du, lieber Leser, dich gewundert, dass im August kein Blog Beitrag von mir kam. Ich bin ehrlich – mir hat dazu die Kraft gefehlt und ich brauchte eine Genesungs- und auch Trauerpause. Was war los? Bereits im März war meiner Frauenärztin beim jährlichen Check- up eine zystenartige Veränderung am linken Eierstock aufgefallen. Nicht schlimm, vermutlich geht die mit dem nächsten Zyklus – doch nein, sie blieb und wurde sogar noch etwas größer. Beim MRT im April hieß es: „ Wir können nicht ausschließen, dass es auch etwas Bösartiges ist – müssen wir in drei Monaten nochmal anschauen mit Kontrastmittel.“ Da meine Ärztin da im Urlaub gewesen wäre, war der Kontrolltermin Mitte Juni, die Bilder gaben keine Sicherheit, das Thema OP stand im Raum, wirklich ruhig war ich schon seit April nicht mehr  – also ein Beratungstermin mit zweiter Meinung in der Uniklinik Bonn. Immerhin dank meiner Ärztin schon am 30. Juli. Ich war zwischendurch immer wieder völlig fertig – Krankenhaus und OP ein absoluter Horror für mich und gleichzeitig wollte ich diese Geschichte so gut wie möglich hinter mich bringen. Krankenhaus alleine war ein No-Go so viel wusste ich aus negativen Erfahrungen beim Arzt, wo trotz aller Absprachen im Vorfeld nicht Wort gehalten wurde und ich retraumatisiert. Deshalb hatte ich direkt meine beste Freundin und Coach gebeten, mich am OP-Tag zu begleiten und bei mir zu bleiben und diese Zusage bekam ich, wir sprachen passende Daten ab– in der Hoffnung mir würde dies von der Klinik erlaubt. Es gab vieles, was unklar war bis zum Beratungstermin und Recherchen im Internet mit unterschiedlichen Angaben zu Eierstockzyste – das war mal das Hauptschlagwort anderes wollte ich mir nicht anschauen obwohl es immer wieder Anklang. Zum Glück gab es in der Zeit zwei super tolle Tipps von Freundinnen: Nummer eins war schreib alles auf was dir wichtig ist für das Krankenhaus, was du besprechen und fragen möchtest, was du denkst, müssen deine Ärztinnen über dich wissen. Ganz ehrlich, den Tipp kann ich jedem nur empfehlen und auch sich dabei einen netten Menschen zu suchen, der alles aufschreibt und ordnet, so dass du selbst nur dich aufs Denken konzentrieren kannst. Ich hatte am Ende gute drei Seiten Briefing – aber auch ganz viel mehr Ruhe, weil ich jetzt alles zu Papier gebracht hatte, was für mich wichtig war. Meine Frauenärztin hat das ganze dann auch direkt an die Ärztin in der Uniklinik weitergeleitet, die mich beraten und untersuchen würde. Tipp Nummer zwei war etwas, wo ich echt dachte, naja, wirklich: eine Manifestation, immer wieder mir vorsagen, wie es idealerweise sein soll? Ich war sehr skeptisch, aber verlieren konnte ich nichts – und kurz gesagt: meine Manifestation wurde fast komplett Realität – nur meinen Wanderurlaub musste ich abändern – gedurft hätte ich wohl, aber es wäre zu viel gewesen also gute Selbsterkenntnis und Selbstfürsorge. Der dritte Tipp ist mein persönlicher Erfahrungswert: Suche dir – falls dich keiner in so ein Beratungsgespräch begleitet – eine Person, mit der du später darüber reden kannst und alles, was war aufarbeiten bzw. Vorbereitungen und Ressourcen sammeln für OP/Krankenhausaufenthalt.

Ich bin hier ganz ehrlich, der Beratungstermin, zu dem ich alleine ging, war für mich wirklich heftiger als der OP Tag selbst. Die ganze Angst und Ungewissheit, OP ja/nein, wie schlimm ist es, wie wird es ablaufen, wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben, werde ich mit meinen traumabedingten Bedürfnissen gehört brachen voll durch während ich  60Minuten warten durch den Flur lief. Immer wieder versuchend mich selbst positiv mit der Gehaffirmation „ich weiß, ich kann und glaub daran“ zu erden. Ehrlich, als ich endlich zur Ärztin geholt wurde, hatte ich Tränen in den Augen, war durch und dann kamen erstmal Fragen zu meiner Geschichte, wo ich dachte: Hat sie mein Briefing denn nicht gelesen? Dann die Untersuchung, wo sehr schnell die Einschätzung meiner Frauenärztin, OP muss sein, bestätigt wurde. Das allein hatte ja schon gereicht, doch es kam noch heftiger für mich, die sich noch ein zweites Kind wünscht: die Ärztin malte mir auf, wie es in mir aussah und erklärte dann, dass der ganze linke Eierstock rausmüsse, alles andere wäre zu gefährlich, da nicht klar war ob die Veränderung gutartig sei und sonst im schlimmsten Fall Krebszellen während der OP in mich gestreut würden. Ich war völlig unter Schock wie betäubt, hatte so oder so noch extrem viel zu klären, um die OP überhaupt zu schaffen. Also schob ich diese Entscheidung ganz ans Ende des Gesprächs und konzentrierte mich auch alle anderen Punkte: meinen Wunschtag bekommen, die erste an dem Tag sein, Erlaubnis am selben Tag nach Hause zu dürfen, Begleitung von meiner Freundin bis ich eingeschlafen war und direkt mit dem Rauskommen aus dem OP, einen Teddy mitnehmen dürfen, Katheder nur während OP etc. Es war viel und ich brauchte alle Kraft, hatte aber zum Glück erst eine geduldige Ärztin und später auch Anästhesisten – die tatsächlich so viele wie möglich meiner Wünsche ernst genommen und auch protokolliert haben inklusive meinem geflüsterten okay zur Eierstockentfernung. Als ich nach 3,5 Stunden aus der Uniklinik kam, war ich einfach nur erschlagen – und durfte noch zwei Stunden Sportkurse geben. Zum Glück mit sehr netten Leuten, die gut damit umgehen konnte, dass ihre Trainerin fix und fertig war. Die erste Nacht nach diesem Gespräch war Horror, Schlafen nicht möglich, nicht einmal meditieren half – erst als meine noch in Japan befindliche Freundin mir per Signal versprach definitiv die ganze Zeit im Krankenhaus bei mir zu sein fand ich etwas Ruhe – und konnte mich dann gut vorbereiten: in der Meditation suchte ich bewusst das „Gespräch“ mit meinem linken Eierstock, bedankte mich für die gemeinsame Zeit, würdigte, dass er nicht mehr konnte, machte eine Verabschiedung meiner weiblichen Organe unter einander mental möglich. Das half mir total runterzukommen, mich besser zu fühlen. Fertig war ich immer noch, aber ruhiger. Als ich dann mit einer Coachkollegin über das Beratungsgespräch und alles Weitere rund um die OP sprach war ich ruhiger, klarer, vor allem konnte sie mich sehr gut führen, mir meine Selbstwirksamkeit auch spiegeln – und mich dazu nett treten mir noch einen Nachmittag an meinem Lieblingskraftort zu gönnen. Nach diesem Gespräch und nur wenige Stunden später der endgültigen Absprache mit meiner Begleiterin für den OP-Tag ging es mir besser: ich hatte mir Sicherheiten geschafft, dazu gehörten auch eine Patientenverfügung und die Vollmacht an meine Freundin, diese notfalls für mich umsetzen zu dürfen. Was noch fehlte waren Abschiedsbriefe und Videos an mir liebe Menschen – das klingt vielleicht verrückt bei einer scheinbar kleinen OP, aber jede Narkose kann schiefgehen und es war eben nicht sicher – zumal meine Tumorwerte erhöht waren – das da nicht doch mehr war. Ich schrieb also Dankekarten an sehr viele Freund*innen für die gemeinsame Zeit und- am schwersten einen Abschiedsbrief an meinen Sohn, den ich gut ein Jahr nicht mehr gesehen hatte. Auch hier war jedes geschriebene Wort Entlastung, tat gut und half mir ruhiger zu sein – ich konnte etwas tun und fühlte mich dadurch selbstwirksamer. Tatsächlich habe ich sogar noch ein Testament und eine Bestattungsverfügung geschrieben – es hat mir Ruhe geschenkt in dieser Zeit und jetzt, wo es einmal da ist, fühlt es sich auch gut an, dass ich so etwas schon habe. Zum Glück durfte ich neben alldem auch noch arbeiten gehen, was mich positiv ablenkte und meine liebe Seniorin auf ihrem letzten Weg begleiten, konnte noch am Tag vor der OP mir den Wunsch erfüllen in die evangelische Kirche einzutreten.

Und am Tag X? Es lief alles wie ich es mir gewünscht hatte, ich kann an der Stelle nur meiner wunderbaren Freundin danken, die mich begleitet hat und wirklich von morgens 5:30Uhr abholen bis abends 18:30Uhr für mich da war und der Gynäkologie der Uniklinik Bonn dafür das wirklich alle mit mir gesprochenen Absprachen perfekt eingehalten wurden. Ein letzter Dank geht an Gott, dafür dass ich dann nur eine Woche nach der OP die gute Nachricht bekommen habe von der Histologie bekam, alles gut nur eine Endometriosezyste. Mittlerweile habe ich mich sehr gut erholt und bin wieder ganz fit und sehr sehr dankbar für tolle Unterstützung aber vor allem dafür, dass mir das Leben noch einmal geschenkt wurde. Was ich mir für dich hier wünsche: wenn es dir einmal so geht wie mir, dann suche dir Hilfe und vor allem traue dich ganz bewusst deine Wünsche zu nennen und Sorgen anzusprechen. Du hast jedes Recht gerade in so einer Situation, wo du Kontrolle abgeben musst, gut für dich zu sorgen  und falls du denkst, dass wäre selbstsüchtig: Ganz ehrlich je ruhiger und entspannter du bist, um so leichter ist es für dein Behandlungsteam und für deine Genesung.

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