Der Weihnachtsmarkt voll mit strahlenden Menschen, die sich unterhalten, Zeit miteinander genießen. Kinderlachen an Karussells, Weihnachtlieder, Gerüche von Glühwein und gebrannten Mandeln – eigentlich ja schön – aber als Übriggebliebene*r ist das sehr herausfordernd. Bei mir ist es in dieser so wunderschönen Zeit oft so, dass dann der Schmerz überlebt zu haben, noch da sein zu müssen besonders groß ist, mir all meine Lieben, die schon gegangen sind, mehr fehlen als sonst. Denn gerade diese Zeit verknüpft sich für viele von uns mit schönen Erinnerungen an unsere Verstorbenen, an gemeinsame Besuche auf dem Weihnachtsmarkt, an Plätzchen backen, an schöne Stunden am leuchtenden Adventskranz, an Nikolaus und natürlich an den Heiligabend – bei mir mal mit leuchtenden Kinderaugen, Weihnachtslieder singen, Päckchen auspacken und einfach ganz viel Freude und Herzblut. Und jetzt? Vielleicht hast du noch liebe Menschen, noch Familie, mit der du feiern kannst und die dir hilft zu sehen, was noch schön ist. Vielleicht geht es dir aber auch so wie mir und du sitzt an Weihnachten alleine unter dem Tannenbaum, an der Krippe.
Da wundert es nicht, wenn diese Zeit egal wie jung oder alt dein Verlust ist für dich besonders schwierig ist und du dich manchmal damit auch überfordert fühlst. Da ich dieses Gefühl sehr gut kenne, möchte ich mit dir teilen, wie ich damit umgehe, was mir hilft und hoffe, dass der ein oder andere Tipp sich für dich passend anfühlt:
1. Erlaube deinem Schmerz da zu sein, drücke ihn nicht weg, denn dann wird er dich irgendwann überwältigen. Es ist völlig okay, wenn du jetzt gerade Momente für dich brauchst, wo du dich zurückziehst und einfach nur weinst oder den Schmerz würdigst. Du kannst ihn auch fragen, was er gerade braucht. Vielleicht ist jetzt der Moment, wo du einer*m deiner gegangenen Lieben noch einmal einen (Dankes-) Brief schreiben willst oder am Grab ein Gespräch führen, ungesagtes klären.
2. Wenn es Dinge gibt, die dich besonders in dieser Jahreszeit mit deinen Lieben verbunden haben, dann tue diese ganz bewusst in der Erinnerung an sie und lade sie gedanklich ein dazu zu kommen. Bei mir ist das Plätzchenbacken ganz stark mit tollen Momenten mit meinem Sohn verbunden, der meine Lust und Freude daran erst geweckt hat. Und wenn ich heute backe, habe ich das Gefühl, dass er mir ganz nah ist, neben mir in der Küche steht und begeistert neue Rezepte ausprobiert. Dann sind wir -irgendwie -doch zusammen und es ist jedes Mal eine besondere Zeit.
3. Gib dir Zeit, wenn Traditionen wie das Anzünden vom Adventskranz schwierig sind, weil dann Tränen kommen, das Fehlen eines Lieben Menschen besonders spürbar ist. Ich liebe den Geruch von Tannengrün und der Adventskranz in der Vorweihnachtszeit ist ein „Muss“ für mich, ich mache ihn nun schon im dritten Jahr mit Hilfe einer sehr netten Freundin selbst. Dann steht dieses Prachtstück auf meinem Wohnzimmertisch und möchte angezündet werden und es geht nicht, weil es so weh tut. Meine Erfahrung ist: Zeit lassen ggf. geht es nicht am Adventstag selbst, aber du wirst den Moment finden, wo es okay ist und dann vielleicht auch wie ich dich ein bisschen daran freuen können.
4. Suche dir Orte und/oder Menschen, wo dein Schmerz gesehen werden darf. Ich habe einige tolle Freunde, für die es okay ist, wenn ich in dieser Zeit mal nicht supergut drauf bin, traurig, weil da so viel fehlt und das auch sagen darf. Es ist wichtig, dass zu teilen und ganz ehrlich: fast jeder hat schon mindestens einen lieben Menschen verloren und kennt das Gefühl und den Schmerz – du bist also nicht alleine damit. Für mich ist auch meine Kirche ein guter Ort, wo ich meine Tränen zeigen darf, vor Gott bringen, um Hilfe bitten bei Ihm. Das geht mit jeder höheren Macht, die du in deinem Leben hast und kann auch sehr entlasten.
5. Höre in dieser Zeit besonders gut auf deine Bedürfnisse und nimm dir (extra) Zeit dafür. Klar ist das oft auch eine Zeit, wo im Job nochmal viel los ist, aber ich möchte dich einladen, hier lieber auf die Bremse zu treten und ggf. auch einmal mehr Nein zu sagen, bei dir zu sein. Was tut dir deiner Seele jetzt gut? Wie kannst du sie pflegen und wertschätzen? Bei mir kann das eine ausgiebige warme Dusche sein, ein leckeres Essen oder einfach mal ein langer Kuschelabend im Bett mit einem guten Buch.
6. Was tun am Heiligabend, falls du ganz allein übrig bist? Aus der Erfahrung und je nach dem, wie frisch dein Schmerz ist, kann es das richtige für dich sein, den Abend alleine zu verbringen oder nur mit ein zwei ausgewählten Menschen, die offen sind dafür, dass du trauerst. Vielleicht hast du auch Freunde, die dich einladen und bei denen du dich wohl fühlst. Doch was, wenn nicht? Ich weiß aus meiner Erfahrung, dass für mich Heiligabend alleine sein zu müssen sich schrecklich anfühlt und mich verzweifeln lässt – sogar noch in einer Zeit, wo ich wusste, am nächsten Tag wird es schöner, kommt ein Lieblingsmensch zu mir. Daraus habe ich gelernt gut für mich zu sorgen: letztes Jahr habe ich die Ehre gehabt, dass ich eine demenzerkrankte Seniorin in die Christmesse begleitet habe: für diese sehr gläubige Frau war das ein großes Geschenk und für mich tatsächlich auch, denn es war toll zu sehen, wie sie im Gottesdienst richtig da war und aktiv teilnehmen konnte. Und dieses Jahr? Dieses Jahr habe ich mich bei meiner Gemeinde gemeldet und gestalte die Weihnachtsfeier für alle „Einsamen“ mit, indem ich Plätzchen mitbringe und Geige spiele.
Ich hoffe, dass meine Punkte dir vielleicht weiterhelfen, diese Zeit gut zu schaffen. Wenn du magst, teile gerne deine eigenen Erfahrungen, deine Helfertechniken mit mir, ich freue mich zu hören, wie du diese Zeit gut bewältigst. Alles Gut für eine friedliche und trotz allem irgendwie schöne (Vor-)Weihnachtszeit für dich!


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